Was ist eine Studentenverbindung ?

Zu Beginn des Studiums sind die wenigsten Studenten mit dem Thema „Studentenverbindungen“ vertraut. Sie erfahren oft nur aus zweiter oder dritter Hand, was wirklich hinter diesem Begriff steht. Daher soll ein kleiner geschichtlicher Abriss über Studentenverbindungen vorausgeschickt werden.

Während der Universitätsgründungen im Mittelalter schlossen sich die Studenten in Verbindungen zusammen, die zunächst nach landsmannschaftlichen Aspekten gegründet wurden. Dies hatte zur Folge, dass auch an den Universitäten die Studenten nach territorialen Gesichtspunkten aufgeteilt waren, wie es der Zersplitterung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation entsprach.

Im Zuge der Freiheitskriege gegen die Fremdherrschaft Napoleons Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Deutschland der Drang, vor allem des Bürgertums, nach der Einheit Deutschlands. Gerade die Ideen der Französischen Revolution nach „Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!“ waren in diesen Jahren unter den Studenten populär geworden.

1815 schlossen sich in Jena infolge dieser Entwicklung Studenten, die vielfach bereits in den Befreiungskriegen gekämpft hatten, in der Jenaer Burschenschaft zusammen. Diese trat an die Stelle der bisher bestehenden Verbindungen. Unter dem Wahlspruch „Ehre! Freiheit! Vaterland!“ setzten sich diese Studenten für die Einheit Deutschlands und die Freiheit seiner Bürger ein.

In der Folgezeit bildeten sich an fast allen deutschen Universitäten Burschenschaften, die im Laufe der Jahre an Bedeutung gewannen. Die Entwicklung gipfelte in der März-Revolution 1848 und der Ausarbeitung der ersten Gesamtdeutschen Verfassung, an der Verbindungsstudenten maßgeblich beteiligt waren.

Das Scheitern der Revolution bedeutete für die Burschenschaft eine längere Periode des Verbots.

Mit der Gründung des zweiten deutschen Kaiserreiches wurden die Burschenschaften staatstragend, sahen sie doch durch die vollzogene Einheit ihren Traum vom einigen Staat erfüllt.

Eine Zeit der Blüte und Konsolidierung begann. Die Altherrenschaften begannen die noch heute bestehenden Verbindungshäuser zu kaufen und die Mitgliedschaft in einer Verbindung bedeutete eine gewisse gesellschaftliche Stellung für das Mitglied.

Mit der Machtergreifung Hitlers kamen auch die Studentenverbindungen in arge Bedrängnis. Im Sommer 1935 wurden auf Anweisung des Reichsjugendführers von Schirach alle Korporationen aufgelöst und in den NS-Studentenbund zwangsintegriert.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges glaubte niemand mehr, dass die Studentenverbindungen in ihrer alten Form existieren könnten. Doch in nur kurzer Zeit fanden sich die Altherrenschaften einzelner Korporationen zusammen, um ihren alten Bund wieder aufleben zu lassen.

Durch die Wiedervereinigung wurde es vielen Studentenverbindungen ermöglicht, in ihre alte Universitätsstadt zurückzukehren. Bis heute ist das Lebensbundprinzip das verbindende Element aller Korporationen, welches die folgenden Generationen überdauern wird.